Überwachungskamera Set – Test und Erfahrungen 2017

Der Trend in der Videoüberwachungstechnik geht mehr und mehr weg von einzelnen IP-Überwachungskameras deren Videosignal am PC oder auf MicroSD-Karte gespeichert wird, hin zur kompletten Überwachungskamera-Sets mit Netzwerk-Rekorder, die das Videomaterial auf Festplatte sichern.

Der Vorteil ist klar: In der Regel werden die IP-Kameras sofort vom Rekorder erkannt, das Set kann schnell eingerichtet werden, ohne aufwendige Konfiguration. Dies gilt besonders dann, wenn die Überwachungskameras das Videosignal direkt ohne eine vorhandenes Netzwerk zum NVR übertragen.

So z.B. bei POE-fähigen Sets: Der Netzwerkrekorder hat für jede Überwachungskamera einen Ethernet-Anschluss und wird direkt mit den IP-Kameras verbunden. Diese übertragen nicht nur ihr Signal über das Netzwerkkabel, es erfolgt auch eine direkte Stromversorgung der POE-Kameras über den NVR.

POE – Stromversorgung direkt per NVR

Sie benötigen also keine Steckdose in der Nähe der Netzwerkkameras, sondern müssen nur Netzwerkkabel verlegen. In vielen Firmen ist das Netzwerkkabel bereits verteilt, so dass die Einrichtung nochmal erleichtert wird.

Sind keine Netzwerkkabel vorhanden und können auch nicht verlegt werden, gibt es zwei weitere Alternativen: Die erste ist sehr bekannt und beliebt: das WLAN-Videoüberwachungsset. Per WLAN übertragen die IP-Kameras das Signal direkt zum NVR oder über den Router zum NVR. Damit verbunden sein können natürlich Probleme bei der Datenübertragung durch Hindernisse und Störungen, aber in den meisten Anwendungsfällen ist WLAN problemlos einsetzbar. Jeder kann mit einem Router und seinem Handy testen, ob die Umgebung hinderlich für WLAN Übertragung ist oder nicht, so dass hier schnell eine Entscheidung gefällt werden kann.

WLAN und Powerline als Alternative

Noch relativ neu am Markt sind Sets, bei denen die IP-Kameras das Videosignal über das Stromnetz zum NVR übertragen. Richtig gelesen: Die Überwachungskameras werden einfach mit der Steckdose verbunden, ebenso der Netzkwerkrekorder. Und schon kommunizieren die Geräte miteinander. Klar, dazu sind einigermaßen moderne Leitungen notwendig und die Gerät müssen sich im gleichen Stromkreis befinden. Aber das sind die gleichen Anforderungen wie an herkömmliche DLAN-Systeme. Im Überwachungskamerabereich ermöglicht die Powerlan-Technik das schnelle Einrichten ohne Kabelverlegen und ohne mögliche Störungen beim WLAN.

Wir haben aus den genannten Kategorien mehrere Sets getestet, ein klarer Testsieger ist nicht hervorgegangen, da die Anwendungsbereiche so unterschiedlich sind, dass jeder Käufer am Ende selbst sehen muss, welche Technik für ihn anzuwenden ist. Diese Liste beinhaltet aber nur von uns geprüfte Überwachungskamerassets und wir haben einige Sets aussortiert, die unseren Ansprüchen nicht genügen.

Genug der Vorrede, hier beginnt unser Überwachungskameraset-Test:


4-Kanal POE Set

4 Kanal POE Set

  • POE – Stromversorgung der IP-Kameras per Netzwerkkabel
  • Wetterfeste Außenkameras mit Full HD Auflösung
  • Bis zu 30 Meter Nachtsicht in der Dunkelheit

POE-Technik macht einfach Spaß. Kameras und NVR an den Strom anschließen, Netzwerkkabel verbinden, Monitor dran und schon sieht man das Videobild. In der Nacht werden die beworbenen 30 Meter IR-Sichtweite im Test bestätigt. Laut Hersteller kann man zudem maximal 70 Meter lange Kabel zwischen Sicherheitskameras und NVR verwenden, wir konnten aufgrund der Beschränkung unserer Testumgebung maximal 50 Meter testen, das hat erfolgreich funktioniert. Im Ernstfall kann man ja immer noch einen POE-Switch dazwischenschalten.

Wie bei allen Netzwerkrekordern ist auch hier die Festplatte separat zu erwerben, maximal 4 TB können verwendet werden, auch das ist der Durchschnittswert. Die mitgelieferte App ist schnell installiert und verbindet sich einfach mit dem Netzwerkrekorder. Auch aus dem Mobilfunknetz hatten wir keine Probleme uns mit den IP-Kameras zu verbinden, die Übertragung ins Internet funktioniert also tadellos.

Wer einen PC bedienen kann, der kann auch diesen Netzwerkrekorder verwenden. Gesteuert werden alle Anwendungen per Maus, so kann man z.B. den Netzwerk-Festplatten-Rekorder so programmieren, dass nur bei Bewegungen Videomaterial aufgezeichnet wird.

Löblich ist, das für jede IP-Kamera ein 18-Meter-langes Kabel im Lieferumfang vorhanden ist, so muss man bis auf Festplatte und Monitor kein weiteres Zubehör erwerben.

Fazit: Ein tolles, günstiges Set für den Einstieg. Wer maximal 4 IP-Kameras braucht und entweder bereits Netzwerkkabel verlegt hat oder gut verlegen kann, der findet hier ein einfach zu bedienendes System, mit dem auch Laien keinerlei Probleme haben sollten.

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LAN per Steckdose: Powerlan-Videoüberwachungset

DLAN-Videoüberwachung

  • Verbindung zwischen NVR und IP-Kameras einfach per Stromleitung
  • Kein WLAN notwendig, keine Netzwerkkabel notwendig
  • Bis zu 60 Meter Nachtsicht
  • Einfacher Fernzugriff per P2P
  • Denkbar leichteste Einrichtung im Test

Hier ist sie, die originelle und einfache Lösung zur Videoüberwachung. Im Test konnten wir kaum glauben, dass das wirklich alles so einfach geht: IP-Kamera in die Steckdose, NVR in die Steckdose, Monitor angeschlossen und nach wenigen Augenblicken ist das Videobild wie magisch auf dem Bildschirm vorhanden. Ok, Powerline hat nichts mit Magie zu tun und DLAN ist auch nicht unbedingt etwas neues im Netzwerkbereich, aber die Idee, Netzwerkkameras direkt über Ihr Stromkabel das Videomaterial senden zu lassen, ist genial.

Wer nichts mit umständlicher Einrichtung oder Kabelverlegen am Hut hat, der findet hier eine perfekte Lösung – wenn alle Geräte im gleichen Stromkreis und die Leitungen nicht zu alt sind. Das schöne ist: ein vorhandenes Netzwerk wird nicht belastet, die kompletten Daten werden direkt zum Netzwerkrekorder gesendet.

Wir haben den NVR im Test dann noch mit einem Router verbunden, um zu prüfen, wie gut der Internetfernzugriff funktioniert. Dank P2P ist auch das kinderleicht: App installieren, ID einfügen, fertig. In der Nacht konnten wir eine Sichtweite von bis zu 60 Metern erreichen.

Fazit: So ein Set können wir uns gut vorstellen in kleinen Unternehmen und Firmen, die sich zügig, aber ohne bauliche Maßnahmen und große Kosten absichern wollen. Es ist auch dann optimal, wenn Netzwerkkabel nicht verlegt werden können und WLAN z.B. durch zu viele Störfaktoren wie abschirmend wirkende Wände nicht genutzt werden kann.

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Ein Videoüberwachungsset mit Schwenken, Neigen, Zoomen

4 Kanal WLAN Full HD Überwachungsanlage

  • WLAN fähige Full-HD-Outdoor-Kameras
  • Schwenken, Neigen, Zoomen: extrem schnell und zuverlässig
  • Set erweiterbar auf bis zu 16 IP-Kameras
  • Bis zu 50 Meter Nachtsicht in der Dunkelheit

Betrachtet man so wie wir den Markt der Videoüberwachung gründlich und auch schon über einen längeren Zeitraum, fällt auf, dass viele Überwachungskamera-Sets nur IP-Kameras bieten, die weder Zoom haben, noch Schwenken und Neigen können. Das finden wir einen eklatanten Mangel und haben lange gesucht, um für unseren Test einen Teilnehmer zu finden, der das besser macht.

Das 4-Kanal-System, das optional bis auf 16-IP-Kameras heranwachsen kann, bietet WLAN-fähige IP-Überwachungskameras, die in enormem Tempo Schwenken, Neigen und Zoomen können. Selten hatten wir so leistungsfähige PTZ-Überwachungskameras in unserem Testlabor. Für professionelle Einsätze und große Bereiche, die überwacht werden müssen, ist das Set die ideale Lösung.

Allerdings muss man dazu sagen: Es ist ein Router notwendig, um die Daten der WLAN-IP-Kameras an den NVR zu übertragen. Wer sich etwas mit Netzwerktechnik auskennt, wird aber schnell zurecht kommen. Und hat im Gegenzug dafür das wohl leistungsstärkste Komplettset am Markt.

Die integrierte Bewegungserkennung bietet die schöne Funktion der Push-Nachricht. Das bedeutet, sobald sich jemand im Videobild bewegt, erhält man einen Alarm aufs Handy. Ideal um eine Alarmanlage zu ergänzen oder sogar zu ersetzen.

Im Test konnten wir die Nachtsicht-Weite von 50 Metern bestätigen, die deutsche Bedienoberfläche, die noch dazu sehr modern und aufgeräumt wirkt, hat uns ebenfalls überzeugt.

Fazit: Sicher muss man hier etwas mehr Geld in die Hand nehmen, aber das Set ist immer noch mehr als preiswert mit den extrem robusten und leistungsstarken IP-Überwachungskameras und einem Netzwerkrekorder, der eine komfortable Bedienung möglich macht. Wer auf Schwenken, Neigen und Zoomen nicht verzichten kann, kommt ohnehin nicht um dieses Set herum.

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4-Kanal WLAN Überwachungsset zur kabellosen Videoüberwachung

WLAN Videoüberwachungsset

  • Direkte WLAN Verbindung zwischen Videorekorder und IP-Kameras
  • Sehr hohe 4-MP-Videoauflösung
  • Wetterfestes Gehäuse

Im Vergleich zum eben vorgestellten WLAN-Videoüberwachungsset, hat diese Set hier den Vorteil, dass die WLAN Übertragung keinen separaten Router benötigt, sondern direkt von der Wifi-IP-Kamera zum NVR stattfindet. Damit schont man die Bandbreite des vorhandenen Netzwerks.

Die 4-MP-Auflösung der Outdoor-Überwachungskameras wird per Funk-WLAN-Technik sehr gut übertragen, 4MP entsprecht einer Auflösung die doppelt so hoch ist wie Full HD. Die Testbilder waren sehr beeindruckend.

Im Testgebäude jedenfalls konnten wir in einer Reichweite von bis zu 40 Metern keine Aussetzer feststellen. Die Einrichtung ist sehr leicht, alle Geräte werden mit dem Stromnetz versorgt, nach einigen Momenten erkennt der NVR dann die IP-Kameras und zeigt diese im Videobild an.

Die einzusetzende Festplatte kann maximal 6 TB groß sein, dann sind Videoaufnahme manuell möglich, aber auch zeitgesteuert oder per Bewegungserkennung. Natürlich steht eine App bereit und verbunden mit dem Internet, kann man von überall in der Welt auf das Videosignal zugreifen.

Fazit: Das kleine WLAN-Überwachungskamera-Set ist immer dann ideal, wenn keine Kabel verlegt werden sollen oder können. Durch die Funkübertragung sind Käufer höchst flexibel bei der Auswahl des Standorts und dabei unabhängig von baulichen Maßnahmen.

Weitere Informationen und Preise


Acht auf einen Streich

8 Kanal WLAN Videoüberwachung

Sets mit vier Kameras sind hinlänglich bekannt, bislang galt es per WLAN auch immer als zu instabil, mehr als 4 Kameras mit einem Netzwerkrekorder zu verbinden. Daher waren wir mehr als skeptisch beim Test dieses 8-Kanal-WLAN-Sets.

Ausgepackt, angeschlossen. Nach wenigen Minuten waren tatsächlich alle 8 Überwachungskameras am Monitor, den wir per HDMI am Rekorder angeschlossen hatten, zu sehen. Selbst in 40 Metern Entfernung konnten wir im Test keinen Aussetzer feststellen. WLAN kann also nun doch guten Gewissens auch bei 8-Kanal-Sets empfohlen werden.

Wer größere Unternehmen überwachen will, ist hier genau richtig bedient. Preislich liegt das 8-Kanal-Set deutlich unter 2-Vierkanal-Sets. Die Nachtsicht wird vom Hersteller mit 25 Metern angegeben, das konnten wir im Test bestätigen. Da gibt es sicherlich bessere Werte, aber die IP-Kameras sind sehr klein und ehrlich gesagt reichen 25 Meter für die meisten Räumen und die wichtigsten Außenbereiche aus.

Fazit: 8 Kanal mit WLAN – geht mittlerweile gut! Wir haben vor dem Test das schlimmste befürchtet, aber zu diesem Set können wir auf jeden Fall raten.

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Testfazit

Der Überwachungskameraset-Test hat gezeigt, dass es zahlreiche Möglichkeiten am Markt gibt und immer auch neue Ideen kommen, die dem Anwender die Einrichtung erleichtern sollen, damit sich mehr und mehr Menschen für ein Sicherheitssystem entscheiden. Der Preis spielt da mittlerweile fast keine Rolle mehr, denn schon für wenige hundert Euro erhält man zuverlässige Sets, um kleinere und mittlere Unternehmen zu sichern.